Willkommen


„Come on, Witten!“ Mr. Irieman wird das noch öfter dem Publikum im Innenhof von Haus Witten entgegenrufen. Wenn der Frontmann von „Riddim of Zion“ dabei mit dem Schweißtuch in der Luft wedelt, heißt das: Es geht gerade voll ab. Oder: Witten, es könnte bitte noch mehr abgehen! Als dann zum späten Abend „One Love“ von Bob Marley erklingt, trommelt sich der Sänger auf die Brust: Mehr Stimme, mehr Herz, mehr Soul, bitte. „I want you all to sing this song with me.“
Das gelang auch: Karibische Klänge, bewegende Balladen und rhythmischer Reggae – mit seiner Band brachte Mr. Irieman bei der neuesten Ausgabe des Kultursommers Stimmung in den Hof von Haus Witten. Seit 2007 sind die Musiker aus Jamaika, Barbados und Ghana unterwegs. Bei ihrer Tour „The new Bob Marley Show“ spielen sie Songs des vor 35 Jahren verstorbenen „King of Reggae“. „Er ist für uns alle eine Legende“, sagt Gabriele Fuchs. Die Künstlervermittlerin war vor einigen Jahren selbst in Jamaika. Nun bringt sie Beats aus der Karibik auf deutsche Bühnen. Bob Marley war da natürlich ein besonderer Anreiz:„Die Texte sind auch inhaltlich aktuell“, so Fuchs. „Das ist nicht nur ein Singsang über Liebe“.
Zeitlose Hits
Denn Hits wie der „Redemption Song“ oder „Get Up Stand Up“ erzählen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Zeitlose Hits, zu denen die Wittener an diesem Abend tanzen. „Bob Marley ist immer aktuell“ erzählt Bandleader Benji. „Er spricht junge und alte Leute an.“ Mit seinem Idol kam der 58-Jährige bereits in jungen Jahren in Berührung, als sein großer Bruder ihm ein paar Songs vorspielte. „Es gab für mich kein Drumherum. Bob Marley gehört zu meinem Leben.“
Trotz der politischen Themen ist der berühmte Jamaikaner nicht zuletzt auch für seine lakonischen Love-Songs bekannt – Pop-Perlen wie „Stir it up“ oder „No Woman No Cry“. Letzterer Titel führte allerdings manchmal zu Missverständnissen. Oft wurde der Refrain als Macho-Getue verstanden: „Keine Frau, kein Geheul“. Im Ghetto-Slang der Bewohner Kingstons heißt das aber soviel wie: „Nein Mädchen, weine nicht“. So meint auch Fuchs: „Es hat einen ganz ernsten Hintergrund und nichts mit Gezeter zwischen Mann und Frau zu tun.“
Wie auch immer: Die Wittener tanzten auch zu diesem Klassiker – vor wie auf der Bühne. Da schien Mr. Irieman endlich zufrieden. „So ein Publikum haben wir noch nie erlebt!“ Ob das stimmte? Zumindest wedelte er dabei mit dem Schweißtuch.
                                                                                                              
Benjamin Trilling

Robert Nesta Marley

06.02.1945 - 11.05.1981